Pflicht und Kür

September

Immer wieder begegnet sie mir: Die Rede von der Pflicht und der Kür in der Kirche. Es wird unterteilt in die Aufgaben, die verpflichtend sind: das, was »einfach getan« werden muss. Gemeint sind z.B. eine bestimmte Katechese, ein bestimmter Gottesdienst oder eine bestimmte Gremienform – und ihre ganz bestimmte Arbeitsweise. Da wären aber noch die Aufgaben, die ja eigentlich keine richtigen sind: Dinge, die eben dazu kommen – wenn Zeit dafür ist. Eine Wanderung mit den Erstkommunionfamilien. Ein Cafémobil auf dem Wochenmarkt mit Segen to go. Seelsorge im Partyviertel der Stadt.

Als Kind der 80er Jahre denke ich bei Pflicht und Kür unweigerlich an die großen Zeiten des Eiskunstlaufs. Auch da gab es ein fest vorgelegtes Programm, das möglichst exakt gelaufen werden musste. Die Bewertung erfolgte aufgrund der Präzession ihrer Ausführung. Bis 1947 machte die Bewertung der Pflicht 60% der Gesamtnote aus, in den 1960er Jahren begann man sie grundsätzlich zu hinterfragen. 1990 wurde das Pflichtprogramm gestrichen. Die Rede von der Pflicht und Kür blieb.

Ich frage mich, was in Kirche eigentlich passieren würde, wenn auch dort die Rede von der Pflicht und der Kür aufgeben würde. Mit ihr keinen Druck mehr ausübt. Und wenn Christinnen und Christen wieder lernen zu »tanzen«, und zwar um dem Herrn, anderen und sich eine Freude zu machen.