Das Einfachste und das Schwerste zugleich

Juli

»Let’s pray!« – Ich kann mich noch sehr gut an diesen Moment erinnern: Wir hatten anglikanische Referentinnen und Referenten zu Besuch. Sie sollten uns über ihre Erfahrungen mit neuen Formen von Kirche berichten. Am Vorabend unseres gemeinsamen Studientages saßen wir zusammen für letzte Absprachen. Am Ende unseres Gesprächs stand dann die ganz und gar unschuldige Selbstverständlichkeit unserer Gäste: »Lasst uns beten!« Gerade neu im Job und mit den letzten Resten meines Schulenglisch reihte ich mich ein in das Lob, in den Dank und in die Bitten unserer ökumenischen Runde. Alles ging sehr schnell. Ich muss »straight from the heart« – aus vollem Herzen gebetet haben. Denn nur dafür reichten meine Vokabeln. Es blieb mir nicht einmal Zeit für meine Aufregung, denn dies war mein erstes freies Gebet.

Seither habe ich weitere Erfahrungen mit verschiedenen Formen des Betens gemacht: Ganz laut mit Bono und U2 im Berliner Olympiastadion. Ganz leise in einer Autobahnvollsperrung in Sichtweite zu einem Unfall. Ziemlich klassisch in einem benediktinischem Stundengebet. Ziemlich digital in vielen kleinen Twitterbotschaften. Sehr einfach in der Stille einer Domkrypta. Am Meer. Auf dem Sofa. Alleine. Und mit anderen.

Je mehr ich lerne und erlebe merke ich, dass das Gebet das Einfachste und das Schwerste zugleich ist. Und manchmal braucht es eben nur diesen einen Satz: »Lasst uns beten!«