Dicke Bretter

Juni

Das Bohren dicker Bretter ist so eine Sache. Manchmal weiß man gar nicht, ob das Werkzeug spitz genug ist, um überhaupt durchzukommen. Manchmal ist das Holz morscher als man denkt. Und manchmal sieht man nur von oben auf das Brett und kann gar nicht wissen, wie dick es wirklich ist.

Vor ein paar Tagen war es wieder soweit: Ein hochrangiges Mitglied der deutschen Bischofskonferenz wünscht sich in einem Interview eine stärkere Rolle der Frau in seiner Kirche. Ich beginne nachzuschlagen und zu zählen: die unterschiedlichen Funktionen und die vielen Amtsjahre. Ich überschlage die Gelegenheiten, in denen der Geistliche für Personalentscheidungen bereits (mit-)verantwortlich gewesen sein muss. Und ich überlege, dass er ja mit Wunsch und Biographie nicht alleine ist. Als Theologin mit einem Faible für Kirchenrecht weiß ich, dass es keine rechtliche Frage ist, mehr Frauen – ohne Amt – für verantwortliche Positionen der Kirche zu beauftragen – es ist eine Kulturfrage. Und sehr häufig eine Frage von Konsequenz, Klarheit und Mut.

Kulturwandel beginnt mit dem Unterbrechen von Mustern. Man kann sich das auch in diesem Fall ganz handwerklich vorstellen. Werkzeug ansetzen und: »Mach es zu deinem Projekt!« Ich frage mich, ob ich die Bohrer zu spitz, das Holz zu morsch oder die Dicke der Bretter falsch einschätze.