Unklar stellung

April

Ich habe in den letzten Wochen viele Texte geschrieben. Mit vielen Worten darüber nachgedacht, wie die Zukunft der Kirche aussieht. Was das mit Mission zu tun hat. Mit Ökumene. Mit digitalen Medien. Mit einer neuen Theologie in der Vertrauenskrise im Zuge von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch. Um ehrlich zu sein: Klarer bin ich mir dabei auch nicht geworden – aber vielleicht ist genau das ein Weg. Es scheint mir derzeit nämlich die einzige Chance zu sein, an vielen Stellen unsicherer, zurückhaltender und »unklarer« zu werden, und zwar dort wo bisher alles klar zu sein scheint. Und da deutlicher zu werden, verbindlicher und klarer, wo Verantwortliche der Kirche – auch bewusst – unklar geblieben sind.

Vielleicht ist es ein Weg in Worten und vor allem Taten klarzustellen, dass Gewalt und Machtmissbrauch entschieden bekämpft, persönlich Verantwortung übernommen und ernsthaft an transparenten Strukturen gearbeitet wird. Dann aber andere Dinge sehr bewusst einmal »unklar zu stellen«. Zum Beispiel, ob gute Seelsorgerinnen und Seelsorger eine 5-jährige akademische Bildung absolvieren müssen. Ob die derzeitigen Gremienstrukturen der Diözesen ein angemessenes Instrument der Beteiligung des Volkes Gottes sind. Ob es ausreicht nur die in den Blick zu nehmen, die »noch« kommen, und nicht auch diejenigen, die die empfindlichen monatlichen Abzüge ihres Lohnes gerade »noch« so in Kauf nehmen.

Eine wichtige Leitfrage bei einer »Unklarstellungen« kann sein, nach dem »Warum?« zu fragen. Ich glaube diese Frage nach dem Warum der Kirche, nach dem Warum einer Pfarrei oder Gemeinde ist die Frage nach der Sendung, also der Mission der Kirche. Nach ihrem Salzgehalt und ihrer Lichtstärke. Woraufhin und wozu gibt es sie? Diese Frage sollte uns als getaufte und gefirmte Christinnen und Christen keine Sorgen machen. Sorgen machen sollte uns aber, wenn die letzten 10 Jahre an unserer Antwort spurlos vorbei gegangen sind.