Nach dem Festhalten

März

Zu den besten Dingen in meiner Arbeit gehört der Kontakt zu Theologiestudierenden. Ich liebe ihre Fragen und wie sie Welt, Wissenschaft und Kirche sehen. Sie bringen mich zum Nachdenken und vielfach auch zum Über-denken meiner eigenen Positionen. Ich freue mich bei jeder Begegnung über die Inspiration und Herausforderung. Als Tochter zweier Herzblut-Pädagogen ist es mir ein Anliegen, hier nicht nur punktuell das Gespräch zu suchen, sondern Prozesse junger Menschen zu begleiten. Ihre so vielfältigen Berufungen schenken mir ein ums andere Mal Vertrauen in das, was Kirche sein kann. Ich bin nicht selten davon überwältigt, was Gott im theologischen und existentiellen Wandern und Wundern dieser jungen Menschen vielfach bewirkt.

Zu den schwierigsten Dingen in meiner Arbeit gehört in diesen Wochen der Kontakt zu Theologiestudierenden. Wie kann ich (mit-)verantworten, dass junge Menschen eine Entscheidung für eine mittlerweile nachweislich destruktive, gewalttätige und missbräuchliche Struktur treffen und sich bewusst in sie als Verantwortungsträgerin oder Träger hineinbegeben.

So frage ich mich in diesen Tagen sehr häufig: Wie gelingt es Kirchenleitenden nicht nur im Blick zurück für Tradition einzustehen, sondern sie wörtlich zu nehmen: Wie kann Verantwortung nicht ab-, sondern achtsam übergeben werden. Wie kann das vielleicht sogar im Sinne einer Nach-Haltigkeit gelingen. Einem NACH-dem-FestHALTEN – einem Freigeben und Staunen, was da an Reich Gottes schon längst passiert.