Kirche, die auftaucht

Zum Auftakt

Ein Spätnachmittag im Advent in einer Fußgängerzone, wie sie in beinahe jeder Stadt in Deutschland zu finden ist. Geschäftiges Treiben rund um den Weihnachtsmarkt. Das Tempo der Passanten erhöht sich spürbar in den letzten Tagen, der 4. Advent naht. Doch genau dazwischen taucht Kirche auf: An einem Ort, mit dem sonst niemand gerade etwas anfangen kann. In einem leerstehenden Ladenlokal in der Nähe des Marktplatzes in Hildesheim, zwischen Feinkost, Eiscreme und Bankautomaten beginnt Kirche hier neu. Vier Wochen lang im Advent öffnet sich der (lutherische) Kirchenkreis Hildesheim unter dem Stichwort »Heile Welt« für Passantinnen und Passanten. Sie sind eingeladen zu regelmäßigen Öffnungszeiten und zu Diskussionen, Gottesdienste und Aktionen. Aber ganz besonders für kleine stille Momente, etwas Wärme und Erholung von dem Trubel der Straßen und Geschäfte und zu einer Tasse »Tee des Tages«. Die Initiative trägt den Namen Pop-Up Kirche – Kirche, die auftaucht, und zwar eben genau da wo Menschen sind.

Seit 2012 mache ich mich als Theologin für das Bistum Hildesheim auf die Suche nach neuen Formen von Kirche, wie diese Initiative der Pop-Up Kirche. Dabei stellt sich die Frage danach, welche Veränderungsprozesse für die unterschiedlichen Weisen von Aufbrüchen notwendig sind. Nicht nur die Inspiration durch das Projekt der Pop-Up Kirche in Hildesheim zeigt, dass dies ein ökumenisches Unternehmen ist. Die Fragen der kirchlichen Organisationen in Deutschland sind zu ähnlich, sie nicht gemeinsam anzugehen. Auch der Auftrag, den Christinnen und Christen haben ist ein gemeinsamer. Vor einiger Zeit haben wir in Hildesheim und Hannover begonnen dies die »Ökumene der Sendung« zu nennen.

Die Pop-Up Kirche in Hildesheim im Advent hatte dazu ein besonderes Thema im Blick: Frieden. Als »Raum für friedvolle Momente« fand die Frage in diesem sonst leerstehenden Ladenlokal Platz, von welchem Frieden die Menschen der Stadt träumen. Ist es eher ein persönlicher Frieden in einer konfliktreichen Beziehung? Der Frieden mit sich selbst? Oder gar der Friede in einem politischen oder gesellschaftlichen Kontext? Was ist Frieden überhaupt? Woran können wir ihn erkennen? Diese Fragen nach Frieden und Versöhnung werden auch mich im Jahr 2019 bei meiner Arbeit besonders beschäftigen. Dazu gehört in Frieden Abschied zu nehmen von lieb gewordenen Strukturen, wie Gebäuden, Rollenbildern und Sicherheiten. Und von der Idee, dass Kirche so bleiben kann wie sie war.